Samstag, 4. November 2017

Warum die meisten New Adult Bücher ein falschen Geschlechterbild vermitteln

Ihr Lieben,

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, ein Jahr in dem ich mich bloggertechnisch weiterentwickelt habe und sehr viel gelernt habe über das bloggen.
Auch habe ich endlich meinen Frieden mit Twitter gefunden, was mich schlussendlich zu diesem Beitrag inspiriert hat. Vor kurzem ging nämlich #Buchbingo auf Twitter um, in dem Klischees aus allen möglichen Genres gesammelt wurden.
Unter anderem etliche Klischees aus dem Bereich New Adult.
Der Beitrag könnte Spoiler zu der After Reihe von Anna Todd und anderen Büchern enthalten.




Quelle: Pixabay



Vorab möchte ich sagen, dass ich hier nichts pauschalisieren möchte, noch ein ganzes Genre verurteilen, weswegen ich im Titel "einige" geschrieben habe.
Dieser Beitrag bezieht sich auf die Erfahrungen die ich gemacht habe, nach den Büchern die ich gelesen habe.
Ich bin mir sicher, dass es NewAdult Bücher gibt, die nicht dem Klischee entsprechen.

Meist läuft die Handlung folgendermaßen ab: junges, naives und recht unerfahrenes Mädchen kommt ans College und hofft auf einen kompletten Neubeginn.
Sie ist in der Regel Typ graue Maus, macht sich nichts  aus Mode und Make Up und ist auch Jungfrau. Auf einmal begegnet sie dem heißesten Typ des Colleges, Typ Bad Boy und Einsiedler und zwischen den Beiden stimmt auf einmal alles! Es ist Liebe auf den ersten Blick und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf...Es kommt sehr schnell zu den ersten sexuellen Erfahrungen und alles was dazu gehört. Nämlich eine Achterbahn der Gefühle, denn er ist oftmals sehr eifersüchtig, wenn sie die Aufmerksamkeit anderer  männlicher Wesen auf sich zieht, aber ihr gegenüber ist er sich seiner Gefühle nicht sicher  und treibt seine Spielchen mit ihr oder noch schlimmeres.
Bestes Beispiel:  Hardin Scott. In After Passion demütigt er Tessa mehrfach, besonders am Ende, wo er das blutige Laken auf die beiden miteinander geschlafen haben und Tessa ihre Jungfräulichkeit verliert, als Beweis dafür,  dass er sie entjungfert hat im Rahmen einer Wette herum reicht,  war für mich einfach ein klares No-Go und etwas Unverzeihliches.
Aber Hardin wird verziehen und durch die gesamte Handlung zieht sich ein negativ Beispiel einer Beziehung. Die weibliche Protagonistin wird als naives Dummchen dargestellt, das zu allem "Ja" und "Amen" sagt,  solange es eine Anziehung gibt und man, salopp gesagt, den Typen bei der Stange halten kann und der männliche Gegenpart hat aufgrund seiner Vergangenheit Probleme damit  Nähe zuzulassen und ist meistens schwer verhaltensgestört.
Dieses Beispiel ist nicht nur in einem Buch vertreten, sondern in gleich mehreren und damit habe ich ein gewaltiges Problem.
Wenn ich nämlich an einige kleine Mädchen denke, die leicht manipulierbar sind und dann Sachen sagen wie "Hardin Scott ist Boyfriend Goals", dann wird mir übel.
Denn ein Paradebeispiel einer höchst toxischen Beziehung als Idealvorstellung zu nehmen, ist nicht richtig.

Beziehungen sind wie Menschen komplett verschieden, weswegen nicht nur eine Form immer wieder gezeigt werden sollte. Ich verstehe, dass Drama eine gewisse Spannung in die Geschichte bringt und deswegen so häufig benutzt wird, aber ich finde, dass man aufhören sollte nur eine Art von Beziehung und ein bestimmtes Bild beider Geschlechter zu verwenden.


Wie ist eure Meinung dazu? Könnt ihr sowas beim Lesen übersehen?
Schreibt mir mal eure Meinung in die Kommentare!

xoxo,

eure Rachel


Kommentare:

  1. Hallo liebe Rachel,

    ich bin aufgrund deines hier beschriebenen Themas heute auf deinen Blog gekommen.
    Und muss dir zustimmen, dass viele dieser Bücher einfach mit zu vielen Klischees behaftet sind (wie zum Beispiel, dass man bluten muss, wenn man die Jungfräulichkeit verliert. Und das am Besten noch so sehr, dass es mit unsagbaren Schmerzen verbunden ist und man es sofort auf einem Laken erkennen kann...) und somit ein völlig falsches Bild von Geschlechterrollen gezeichnet wird. Nun, ich finde persönlich, dass diese Geschlechterrollen mehr als rückschrittlich sind (nur die große Liebe darf mich entjungfern, dieser verzeihe ich alles, heirate sie dann und bleibe bis ans Lebensende mit ihr zusammen...) und wie ich ebenso noch dazu sagen muss, mit so vielen Klischees behaftet sind, dass es wehtut.
    So etwas tut mir beim Lesen auch körperlich weh (meist durch die Kombination von Tischplatte und Kopf...) und mir rollen sich da immer die Fußnägel hoch. Zum einen, dass immer die Frauen die unerfahrenen sind und sich dafür rechtfertigen müssen, weil sie als "graue Maus" eben nie jemanden abbekommen hat... Dann natürlich auch, dass die "Bad-Boys" versuchen was zu sein, was sie nicht sind. Die wenigsten dieser Kerle sind wirklich "bad"... Ich finde sie eher handzahm und ehrlich gesagt nur nervig. Meist sind sie ja nach dem Motto aufgebaut, dass sie ihre harte Schale wegen ihrer Vergangenheit aufgebaut haben. Und alles damit rechtfertigen. Ich bin ein Arsch, weil ich dich verleugne, aber ich liebe dich doch so sehr, das darf aber keiner erfahren, weil ich mir mein Image damit kaputt mache.
    Ich schlage dich doch nur wegen meiner miesen Kindheit, aber dich liebe ich dennoch abgöttisch.
    Und so weiter und sofort.

    Natürlich gibt es auch gute Umsetzungen mit gewaltbereiten Männern und Arschlöchern in solchen Themen, aber mir geht es auf den Keks, dass es so dargestellt wird, als wäre das normal, dass er sich ändert für eine Frau und sie die Rückfälle tolerieren muss. Er meint es ja nicht so. Klar, Liebe kann ein ausschlaggebender Faktor sein, sich ändern zu wollen, aber ohne wirklich therapeutische oder psychologische Hilfe? Das sehe ich daran auch kritisch. Eben weil die Frauenfiguren als unbedarfte, nichtsahnende und unterwürfige Jungfrauen dargestellt werden. Meines Erachtens nach, ist das keine gute Umsetzung mit einem solchen Thema.
    Die Sache, die du angesprochen hast, dass es auch manipulierbare, junge Mädels gibt, die das als Idealbild sehen, finde ich ebenso schlimm. Hier haben dann vor allem die nahen Bezugspersonen die Verantwortung (auch wenn das schwer ist, keiner will so recht in dem Alter mit seiner Mutter über solche Themen reden...) dem jungen Mädchen zu zeigen, dass es nicht gut ist, sich solche Beziehungen als Ideal vorzustellen. Wenn dies gelingt, und somit ein verantwortungsvoller Umgang mit solchen Themen auch wirklich Erfolg zeigt, kann man solche Bücher als lockere Unterhaltung lesen (okay, wären so gar nicht meins, einfach deswegen, weil ich dieses Genre so gar nicht mehr mag...) und es mit Abstand betrachten. Geschmack ist ja zum Glück eine individuelle Sache. Aber, ich finde ebenso, dass man erst durch ein reflektiertes Denken einem solchen Geschlechterbild (in der Realität) entgegen wirken und es als Fiktion (mit Unterhaltungswert im Buch) sehen kann.

    Und bevor ich mich jetzt noch weiter über die Klischees auslasse, belasse ich es hierbei :)

    LG
    Sarah

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  2. Du hast es gnadenlos auf den Punkt gebracht. Mich stört diese Entwicklung des Genres schon seit einiger Zeit, da es eben auch wirklich gute Unsetzungen gibt, die ihr Dasein im Schatten von After Passion, Royal Passion oder der Driven-Serie fristen müssen. Mir tut es als junger Frau weh zu lesen, wie man in dieses Rollenbild gesteckt wird... Emanzipation futsch :D Und das im 21. Jahrhundert. Hilfe.

    Liebe Grüße,
    Tina (:

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    1. Hey Tina,
      Danke fuer dein Feedback, ich fuehle absolut mit dir!

      Liebe Gruesse!

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  3. Huhu Rachel :)

    Ich finde deinen Beitrag in vielen Punkten sehr wichtig und richtig, wollte aber noch eine kleine Anmerkung hinterlassen, die vielleicht auch die Spaltung dieses Genres erklärt. Gerade die Erfahrungen, die du gemacht hast, finde ich häufiger bei amerikanischen Schriftstellerinnen als bei deutschen, weshalb ich "heimische" New Adult tatsächlich sehr gern lese. Ich hab das Gefühl, dass in den USA gerade dieses jungfräuliche Naivchen sehr gern ankommt, was hier bei uns ja eher seltener ist und auch nicht als dieses Idealbild in Schulen hochgehalten wird, wie drüben. Vielleicht findest du ja bei deutschen NA-Autorinnen eher etwas, was dir zusagt? :)
    Trotzdem finde ich es toll, dass du darauf aufmerksam machst, wie gefährlich solche Vorstellungen enden können. Ich würde da als Elternteil eher ein Auge drauf haben, was meine Kinder eigentlich lesen und wen sie weshalb anhimmeln.

    Liebe Grüße,
    Klaudia

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    1. Huhu Klaudia,
      Um ehrlich zu sein, habe ich bisher nur ein deutsches NA Buch gelesen und das fiel leider in dieselbe Kategorie wie die amerikanischen..aber ich halte mal die Augen offen und wenn ich etwas finde, das mir zusagt, dann wird das definitiv hier zu lesen sein ;)

      <3

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  4. Das sehe ich absolut genauso und habe es im Sommer schon bei der Paper Serie niedergeschrieben http://franzi-liest.de/wp/paper-princess-die-versuchung/ . Freue mich, dass ich mit der Sicht nicht alleine bin! LG, Franziska

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  5. Und schon wieder solch ein Beitrag. Die schießen ja wie Pilze aus dem Boden :-(
    Immer mehr Frauen beschweren sich über das Frauenbild, welches in einigen Romanen gezeichnet wird. Das erstaunliche ist, dass die Autoren meist Frauen sind. Oh je, oh je...
    Warum nur finden dann gerade solche Bücher einen reißenden Absatz ?
    Weil es fiktive Geschichten sind und sie der Entspannung dienen sollen.
    Weil sie uns erlauben jemand anderes zu sein.

    In der realen Welt treffen wir keinen 28 jährigen Milliardär an der Bar ( in die wir nie gehen würden).
    Wir treffen keine Jungs, die sich in Drachen verwandeln oder uns beißen und uns zu Vampieren machen. Wir wollen auch sicher auf keinen Mann treffen, der ein Spielzimmer sein eigen nennt.
    Aber wir wollen davon träumen!

    Mädchen / Frauen, die der Meinung sind solch einen Bad - Boy bekehren zu können und die einzig wahre Liebe für ihn zu sein, glauben auch daran, dass die Fotos von den Models echt sind. Diese Mädels jagen einem Traumbild ihrer selbst hinterher.
    Glaubst du wirklich, dass ein Buch ihre Ansichten über sich selbst ändern könnte?

    Die Autoren haben doch nur solchen Erfolg, weil es eine große Leserschaft gibt, denen genau das gefällt.
    Alice schwarzer möchte sich wahrscheinlich jeden Tag übergeben wenn sie von solchen Büchern hört.

    Aber jetzt mal ganz ehrlich, wissen wir nicht alle, dass die Frau von heute viel selbsbewusster und selbstständiger ist. Ist es ihr da nicht gestattet, für gewisse Zeit in eine andere Welt abzutauchen.
    Ich für mein Teil hasse Kettenmassakerbücher. Ich kann es nicht nachvollziehen, dass es viele Leser gibt, die es toll finden wenn Menschen ermordet, gequält und gefoltert werden. Verurteile ich die Autoren? Nein! Verurteile ich die Leser? Nein!
    Ich lasse nur einfach die Finger von solchen Büchern.

    In diesem Sinne:
    Nimm die Bücher mit dem nötigen Humor. Und wenn das nicht geht, wende dich doch einfach einem anderen Genre zu ;-)

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